Zwei Extreme beherrschen die Diskussion über KI
Die Diskussion über künstliche Intelligenz wird häufig von Extremen geprägt. Auf der einen Seite stehen Menschen, die in KI die Lösung nahezu aller Probleme sehen. Auf der anderen Seite jene, die in ihr vor allem eine Bedrohung erkennen: für Wissenschaft, Bildung, Kreativität oder bestimmte Berufsbilder.
Meine eigene Haltung liegt zwischen diesen beiden Positionen.
Als wissenschaftliche Autorin betrachte ich KI weder als Wunderwerkzeug noch als Gefahr. Für mich ist sie zunächst einmal ein Instrument. Ein sehr leistungsfähiges Instrument, dessen Nutzen davon abhängt, wie kompetent es eingesetzt wird.
Während der Arbeit an wissenschaftlichen Projekten nutze ich KI regelmäßig zur Strukturierung komplexer Inhalte, zur Diskussion wissenschaftlicher Fragestellungen, zur sprachlichen Überarbeitung von Texten und zur kritischen Reflexion eigener Argumentationslinien. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit, Gedanken in einen Dialog zu bringen.
Wer wissenschaftlich arbeitet, kennt das Problem. Man liest hunderte Publikationen, entwickelt Hypothesen, verwirft sie wieder, sucht nach logischen Verbindungen und versucht, eine Vielzahl von Informationen in ein konsistentes Gesamtbild zu überführen. Genau hier kann KI hilfreich sein. Nicht weil sie bessere Ideen hat als der Wissenschaftler, sondern weil sie in Sekundenschnelle Perspektiven anbietet, die den eigenen Denkprozess anregen.
KI – Ein (kluger) Sparringspartner, der zur rechten Zeit oder nach Aufforderung Impulse liefert…
KI – mehr als Strukturierungshilfe und Lektorin
Gleichzeitig nutze ich KI auch als Werkzeug, um mir neue Wissensgebiete schnell, flexibel und ohne großes finanzielles Investment zu erschließen.
Dabei arbeite ich mit sehr unterschiedlichen Quellen: Fachbüchern, wissenschaftlichen Publikationen, Podcasts oder Vorträgen. Ich lasse mir komplexe Sachverhalte zunächst in einfachen Worten erklären und nähere mich einem Thema Schritt für Schritt an. Auf diese Weise werden selbst hoch spezialisierte Inhalte deutlich leichter zugänglich.
Besonders wertvoll ist für mich die Möglichkeit, in meinem eigenen Tempo zu lernen. Ich kann jederzeit Verständnisfragen stellen, Zusammenhänge hinterfragen oder mir einzelne Aspekte erneut erläutern lassen. Darüber hinaus nutze ich KI, um mein Verständnis zu überprüfen, Übungsaufgaben zu bearbeiten oder eigene Schlussfolgerungen kritisch hinterfragen zu lassen.
Gerade bei komplexen Themen entsteht dadurch ein interaktiver Lernprozess, der weit über das reine Lesen von Fachliteratur hinausgeht. KI ersetzt dabei weder Bücher noch wissenschaftliche Quellen. Sie hilft mir jedoch, deren Inhalte schneller zu erfassen, besser zu verstehen und nachhaltiger zu verarbeiten.
Gleichzeitig hat meine Arbeit mit KI mich vor allem eines gelehrt: Skepsis.
Eine überzeugende Formulierung ist keine Garantie für Richtigkeit. Eine logisch klingende Argumentation ersetzt keine Literaturrecherche. Und eine selbstbewusst präsentierte Antwort kann trotzdem falsch sein.
Deshalb sehe ich KI nicht als Ersatz für wissenschaftliche Expertise. Im Gegenteil. Je leistungsfähiger diese Systeme werden, desto wichtiger wird die Fähigkeit des Menschen, Informationen kritisch zu prüfen, Quellen zu bewerten und Schlussfolgerungen einzuordnen.
KI nimmt mir das Denken nicht ab. Sie fordert mich dazu auf, genauer zu denken.
Gerade deshalb möchte ich auf sie nicht mehr verzichten.
KI in meiner Arbeit als Romanautorin
Tja, und dann gibt es noch die zweite Martina, die als Pseudonymautorin für fiktionale Texte arbeitet. Romantische Geschichten oder Horror. You name it 🙂
Und trotzdem: ich arbeite auch als Romanautorin mit der künstlichen Intelligenz: Allerdings auf eine völlig andere Weise.
Wer meine Romane kennt, wird jetzt vielleicht überrascht sein. Schließlich wird häufig behauptet, KI könne Geschichten schreiben, Figuren entwickeln und ganze Bücher verfassen. Theoretisch stimmt das sogar.
Praktisch habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass die eigentliche kreative Arbeit nach wie vor beim Menschen liegt.
Meine Figuren entstehen nicht durch KI. Sie entstehen in meinem Kopf. Sie bringen ihre eigene Geschichte mit, ihre Eigenheiten, ihre Widersprüche und manchmal auch ihren Dickkopf. Wer schreibt, kennt das Phänomen vielleicht: Man hat eine Szene geplant, und plötzlich macht die Figur etwas völlig anderes.
KI kann mir diesen Teil des Schreibens nicht abnehmen. Und das will ich auch gar nicht. Denn das macht ja gerade die Freude am Schreiben aus.
Was sie allerdings kann: Sie kann mich beim Nachdenken unterstützen.
Ich diskutiere mit KI über historische Hintergründe, über logische Zusammenhänge oder über die Motivation einer Figur. Manchmal frage ich nach alternativen Sichtweisen auf einen Konflikt. Manchmal lasse ich mir mögliche Schwachstellen einer Handlung aufzeigen. Nicht, weil ich die Vorschläge ungeprüft übernehme, sondern weil sie mich dazu bringen, meine eigenen Überlegungen noch einmal kritisch zu betrachten.
In gewisser Weise erfüllt KI dabei eine ähnliche Funktion wie ein guter Gesprächspartner.
Wer schreibt, kennt vermutlich das Problem: Viele Fragen, die während eines Schreibprojekts entstehen, sind zu klein, zu speziell oder zu ungewöhnlich, um damit andere Menschen zu beschäftigen. Trotzdem möchte man darüber nachdenken. Genau hier ist KI erstaunlich hilfreich.
Manchmal liefert sie einen interessanten Hinweis.
Manchmal eröffnet sie eine Perspektive, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.
Manchmal erzählt sie auch völligen Unsinn.
Aber selbst dann hat das Gespräch oft einen Nutzen. Denn spätestens in diesem Moment muss ich selbst begründen, warum etwas nicht funktioniert. Und allein dieser Denkprozess hilft häufig dabei, eine Geschichte weiterzuentwickeln.
Für mich ist KI deshalb auch beim kreativen Schreiben kein Ersatz für Fantasie oder Erfahrung. Sie ist ein Werkzeug. Ein durchaus faszinierendes Werkzeug, das mir ermöglicht, Ideen auszuprobieren, Fragen zu stellen und Denkprozesse anzustoßen.
Die Geschichte entsteht am Ende trotzdem in meinem Kopf.
Und genau dort soll sie meines Erachtens auch entstehen.
Mein Fazit
Ob ich wissenschaftliche Texte schreibe oder an einem Roman arbeite: Die eigentliche Arbeit findet immer noch in meinem Kopf statt.
Neugier entsteht nicht durch KI (allein). Erfahrung, Intuition, Kreativität, Fachwissen und kritisches Denken lassen sich ebenfalls nicht automatisieren.
Was KI allerdings kann, ist bemerkenswert: Sie kann mich beim Denken begleiten.
Als wissenschaftliche Autorin hilft sie mir, komplexe Zusammenhänge zu strukturieren, neue Themen zu erschließen und Argumentationen kritisch zu prüfen. Als Romanautorin dient sie mir als Sparringspartner, wenn ich über Figuren, Handlungsstränge oder historische Hintergründe nachdenke.
In beiden Fällen gilt jedoch dasselbe Prinzip: Die Verantwortung bleibt bei mir.
Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich die oft hitzig geführten Diskussionen über künstliche Intelligenz mit einer gewissen Gelassenheit betrachte. Ich sehe in ihr weder eine Bedrohung noch einen Ersatz für menschliche Kreativität und Kompetenz. Ich sehe ein Werkzeug. Ein außergewöhnliches Werkzeug, das mir neue Möglichkeiten eröffnet, schneller zu lernen, besser zu recherchieren und Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
Manchmal widerspreche ich der KI. Manchmal widerspricht sie mir. Und manchmal stellt sich heraus, dass wir beide falsch lagen.
Auch das gehört dazu.
Gerade deshalb schätze ich die Zusammenarbeit. Nicht weil KI für mich denkt, sondern weil sie mich immer wieder dazu anregt, selbst genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und meine eigenen Überzeugungen zu überprüfen.
Für eine Wissenschaftsautorin ist das wertvoll.
Für eine Romanautorin ebenfalls.
Und vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt: Nicht die Technologie steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der sie nutzt.
KI hat mich bislang weder als Wissenschaftsautorin noch als Romanautorin ersetzt. Sie hat mich aber dabei unterstützt, in beiden Rollen besser, schneller und oft auch neugieriger zu arbeiten. Allein dafür hat sie bereits einen festen Platz auf meinem Schreibtisch verdient.



